Hindernisse für das Verstehen Wie aus der Geschichte bekannt, hat eine geschlossene Gesellschaft an ihrer Selbstbeschreibung kein Interesse, denn eine solche Beschreibung hat zweifellos teilweise die Form einer kritischen Analyse und ermutigt das Aussprechen vieler kritischer "verbotener Gedanken". Je offener eine Gesellschaft wird, desto aufgeschlossener ist sie zunächst einer beschreibenden und dann kritischen Selbstreflexion ihrer gegenwärtigen Funktion und ihrer Vergangenheit. Was geschieht aber, wenn eine Clique von Intellektuellen wünscht, eine schon zu einem beträchtlichen Teil geöffnete Gesellschaft in ihren früheren totalitären geschlossenen Zustand zurückzuversetzen? In diesem Falle werden die Mittel des früheren Fortschritts wie die Philosophie, die Naturwissenschaften, die Geschichtsschreibung und speziell die Soziologie zum wirksamsten Instrument des "Verrats der Intellektuellen". Sie werden pervertiert, damit sie als Mittel des Betrugs dienen, und degenerieren im Laufe dieses Prozesses. Der klassische Judaismus war nur wenig interessiert an einer Selbstbeschreibung für die Mitglieder der eigenen Gemeinde, seien sie nun (durch talmudische Studien) gebildet oder nicht. Bezeichnenderweise gibt es keine jüdische Geschichtsschreibung (nicht einmal im trockensten Chronistenstil) zwischen der Zeit des Flavius Josephus (Ende des 1. Jahrhunderts) und der Renaissance. Erst in der Renaissance blühte sie kurzzeitig in Italien und anderen Ländern auf, in denen die Juden unter starkem italienischen Einfluß standen. Es ist typisch für die Rabbiner, daß sie mehr noch die jüdische als die allgemeine Geschichte fürchteten. So trug das erste moderne (im 16. Jahrhundert veröffentlichte) Geschichtsbuch den Titel Geschichte der Könige Frankreichs und der osmanischen Könige#B#bibliographische Angaben?#. Darauf folgten einige Geschichtswerke, die nur von den Verfolgungen handelten, unter denen die Juden zu leiden hatten. Das erste Buch über die eigentliche jüdische Geschichte, es befaßte sich mit der Antike, verboten und unterdrückten die höchsten rabbinischen Autoritäten; es erschien erst wieder im 19. Jahrhundert. Die rabbinischen Autoritäten in Osteuropa verboten alle nichttalmudischen Untersuchungen, auch wenn sie darin nichts fanden, was dieses Verbot rechtfertigte. Die damit verbrachte Zeit solle besser zum Talmudstudium oder Geldverdienen verwandt werden, und das Geld könne wiederum zur Unterstützung der Talmudgelehrten benutzt werden. Ein Schlupfloch blieb jedoch offen, nämlich die Zeit, die auch ein frommer Jude zwangsweise auf dem Abort verbringen muß. Da an diesem unsauberen Ort das Studium heiliger Schriften verboten ist, war es erlaubt, Geschichtswerke dort zu lesen, vorausgesetzt, sie waren in Hebräisch abgefaßt und vollständig säkulär, was letztlich bedeutete, daß sie ausschließlich nichtjüdische Themen behandeln durften. (Man kann sich vorstellen, daß die wenigen Juden dieser Zeit, die - zweifellos durch satanische Versuchung - ein Interesse an der Geschichte der französischen Könige entwickelten, sich dauernd bei ihren Nachbarn über die Verstopfung beklagten...) So befand sich vor zweihundert Jahren der überwiegende Teil der Juden in geistiger Dunkelheit, nicht nur, was die Existenz Amerikas, sondern auch die jüdische
Geschichte und den damaligen Zustand des Judentums betraf.
Und sie waren sehr einverstanden damit, daß es dabei
blieb. |
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A/ 1- Israel - ein Utopia für Auserwählte?
B/ 6- Vorurteile und Verfälschungen
C/ 12- Orthodoxie und Interpretation
D/ 23- Die Bürde der Geschichte
E/ 33- Gesetze gegen Nichtjuden
F/ 49- Politische Konsequenzen
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